Die Suche nach nachhaltigeren Fasern kann wie die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen sein – so ging es uns zu Beginn unserer Recherche nach nachhaltigen Materialien für Estrelle Equestrian auch. Im Folgenden wollen wir euch teilhaben lassen an unserer Sicht auf die Welt der Materialien und begründen, wieso wir uns für die Materialien entschieden haben, die wir nutzen, und welche Vorteile sie für dich und dein Pferd bieten – Unsere Mission ist es den Reitsport jeden Tag ein bisschen nachhaltiger zu machen, dabei sehen wir unsere Kunden als Pioniere, die mit uns zusammen den Weg für einen modischen & nachhaltigen Reitsport ebnen.

Nachhaltige Materialien bei Estrelle Equestrian
Estrelle Equestrian steht für nachhaltige Premium-Reitbekleidung made in Germany

Polyester – Die robuste Erdöl-Faser und Liebling der Fast-Fashion Industrie

Seit 2007 ist Polyester die am häufigsten verwendete Faser, dabei hat sich die weltweite Produktion von Polyesterfasern seit 1975 mehr als verzehnfacht. Laut Greenpeace stecken heute in über 60% unserer Textilien Polyester, was umgekehrt heißt, der Großteil unserer Textilien besteht aus Erdöl – Bekanntermaßen gibt die Verbrennung von fossilen Brennstoffen wie Erdöl Kohlenstoffdioxid (CO2) frei, was wiederum einer der Hauptgründe für den Klimawandel ist. Hinzu kommt, dass die tatsächliche Ökobilanz von Polyester schwer zu erfassen ist, da das Öl, aus dem die Kunstfasern hergestellt werden, keinen ökologischen Fußabdruck hat, was darin seine Begründung findet, dass die großen Mengen an Wäldern, Land und Treibhausgasemissionen, die mit der Herstellung des Öls verbunden sind, zum Teil vor Jahrhunderten entstanden sind.

Laut dem renommierten Higg Materials Sustainability Index (Higg MSI) der Sustainable Apparel Coalition (SAC) gilt Polyester jedoch als eines der nachhaltigsten Materialien. Das liegt unter anderem daran, dass Polyester im Vergleich zu anderen Fasern, zum Beispiel konventioneller Baumwolle, um einiges weniger Wasser und keine landwirtschaftlichen Flächen benötigt, die für den Anbau von Nahrung verwendet werden könnten – In Bezug auf diese Einschätzung gibt es jedoch viel Kritik, da Polyester zum einen nicht biologisch abbaubar ist (es dauert 20-200 Jahre, bis Polyester zerfällt), und zum anderen die Entsorgung von Polyester als problematisch gilt. Resultierend aus der Tatsache, dass Polyester chemisch hergestellt wird, setzt das auf den Mülldeponien entsorgte Polyester die eingesetzten Chemikalien wieder frei, welche dann in den Boden sickern und ins Grundwasser gelangen können.

Ein weiterer Nachteil der Kunstfaser Polyester ist das Mikroplastik, das von Textilien laufend freigesetzt wird. Jeder Waschgang eines einzigen Polyesterstücks wirft etwa 1.900 individuelle Mikroplastikfasern ab. Um die Mikroplastikbelastung möglichst gering zu halten, sollte man keinen Weichspüler verwenden und mit niedrigen Waschtemperaturen waschen (unter 60 °C). Wir empfehlen zudem den Einsatz eines Gruppyfriend’s, ein Waschbeutel, der das Austreten von Mikroplastik beim Waschen verhindern soll.

Aufgrund der insgesamt ernüchternden Nachhaltigkeitsbilanz von Polyester verwenden wir bei Estrelle Equestrian sogenanntes rPET, also recyceltes Polyester, in vielen unserer Polyesterprodukte. Laut einer Studie des Schweizer Bundesamtes für Umwelt aus dem Jahr 2017 ist recyceltes Polyester qualitativ fast gleichwertig mit neu produziertem Polyester, benötigt in der Herstellung allerdings 59% weniger Energie. Laut dem britischen WRAP (Waste & Resources Action Programme) kann dabei die Produktion von rPET die Co2-Emissionen um 32% im Vergleich zu herkömmlichem Polyester reduzieren. 

Baumwolle – Der Klassiker unter den Stoffen

Die Baumwolle ist eine pflanzliche Naturfaser und ist somit vegan und biologisch abbaubar. Naturfasern wie Wolle und Baumwolle werden oft in landwirtschaftlichen Betrieben angebaut, in denen die für die Herstellung der Fasern benötigten Ressourcen leicht gemessen und in der Ökobilanz berücksichtigt werden können, z. B. die Menge an Land, Wasser und Energie sowie die Abfallströme in Gewässer und in die Luft. Das macht es um einiges leichter, eine aussagekräftige Ökobilanz zu erstellen.

Baumwolle wächst in über 80 Ländern im sogenannten Baumwollgürtel, der sich von China bis Indien erstreckt. Da Baumwollpflanzen aufgrund ihrer klimatischen Präferenzen nur in tropischen bis subtropische Länder angebaut werden können, ist eine regionale Beschaffung nicht möglich. Baumwolle muss somit importiert werden, wobei Die Türkei mit einem Anteil von 3,4% des weltweiten Anbaus die „regionalste“ Anbauregion ist (von Deutschland aus betrachtet). Da der effektive Anbau von Baumwolle in unseren Breitengraden nicht möglich ist, treiben die langen Transportwege der Baumwolle die CO2- Emissionen in die Höhe.

Obgleich Naturfasern gerne als ‚nachhaltig‘ bezeichnet werden, zieht das immense globale Produktionsvolumen von Baumwolle diverse Probleme auf ethischer und ökologischer Ebene nach sich – Viele Kleinbäuerliche Baumwollbetriebe in Entwicklungsländern sind abhängig von großen Saatgutkonzernen – Der globale Preisdruck, zusätzlich befeuert durch den Fast-Fashion Trend, führt zu einem geringen Lohnniveau der Arbeiter auf den Baumwollplantagen und ausbeuterischer Kinderarbeit.

Bedenklich ist auch die zunehmende Wasserverknappung in den Anbaugebieten, die vielerorts auf das Konto der durstigen Baumwollpflanze geht. Der Wasserbedarf schwankt je nach Region, wobei Indien die höchste Wasserbelastung in der Baumwollproduktion vorzuweisen hat. Da die Baumwollpflanze zur sehr langsam wächst, aber in hohen Mengen gebraucht wird, versuchen konventionelle Baumwollproduzenten oft ihren Ertrag zu steigern, indem sie das Feld direkt nach der Ernte neu bestellen, was zu einer Auslaugung der Böden führt und die Bauern später zwingt zu mehr giftigem Dünger zu greifen.

Konventionell-angebaute Baumwolle gehört zu den Pflanzen, die am stärksten mit Pflanzenschutzmitteln aller Art behandelt werden. „Pro Saison wird Baumwolle durchschnittlich 20-mal mit Ackergiften aller Art besprüht“, schreibt das Umweltinstitut München – Ca. 6,8 % aller Pestizide und 15,7 % aller Insektizide weltweit werden auf Baumwollfelder aufgetragen, der Einsatz dieser massiven Mengen an Pestiziden hat negative Einflüsse auf Menschen und Klima.

Der gute Ruf der Baumwolle täuscht über die ethischen und ökologischen Probleme hinweg, die mit der konventionellen Baumwollproduktion einhergehen. Besonders bei Baumwolle ist daher eine nachhaltige Produktionskette nötig, die in vielen Punkten mit Bio-Baumwolle erreicht wird. Bei Estrelle Design kommt  sogenannte Bio-Baumwolle zum Einsatz, die sowohl auf ethischer, als auch nachhaltiger Ebene, viele Vorteile bietet. Im Hinblick auf die Qualität der Fasern hängt unsere zertifizierte Bio-Baumwolle die konventionelle Baumwolle ebenfalls ab.

In der Bio-Baumwollproduktion entsteht keine Abhängigkeit der Kleinbauern von großen Saatgutkonzernen, da auf den Bio-Farmen kein genmanipuliertes Saatgut eingesetzt wird. Auch dürfen beim nachhaltigen Anbau von Bio-Baumwolle keine chemischen Pestizide und Düngemittel verwendet werden (gedüngt wird nur mit Mist und Kompost). Folglich ist der Humusanteil des Bodens hoch, was dazu führt, dass der Boden mehr Wasser und CO2 aufnehmen kann und die Pflanzen im Gegensatz zum konventionellen Anbau nicht so stark bewässert werden müssen

Der Wasserverbrauch ist im Bio-Baumwollanbei, je nach Anbaumethode und Region, um 40-90% geringer als beim konventionellen Baumwollanbau. Insgesamt gelten bei der Bio-Baumwolle deutlich strengere Regulierungen für die Weiterverarbeitung, aus diesem Grund sind die verwendeten Chemikalien biologisch abbaubar und ungiftig.

Insgesamt ist Bio-Baumwolle deutlich nachhaltiger als konventionell-angebaute Baumwolle. Als Problemfeld bleibt, dass ein regionaler Anbau nicht möglich ist, und auch der Wasserverbrauch von Bio-Baumwolle ist insgesamt betrachtet noch recht hoch. Wir, das Team von Estrelle Equestrian, bemühen uns um einen verantwortungsbewussten Umgang mit der wertvollen Ressource. Bio-Baumwolle kommt bei Estrelle derzeit für die Herstellung von Pullovern, Sweatshirtjacken, und Poloshirts zum Einsatz.